Märkische Allgemeine April 2016

Mahlow, Zucker, Fantasie und Werkzeug. „Meine erste Torte war eine dreistöckige Weihnachtstorte. Meine Oma kam damals aus New York zu Besuch und ich wollte sie mit der Torte überraschen“, erzählt Nadine Globig aus Mahlow. „Oma war total fasziniert, bezeichnete die Torte als ein Kunstwerk und ermutigte mich, dranzubleiben.“ Inzwischen beschäftigt sie sich intensiv mit Torten und vor allem deren Verzierung, sie bietet Kurse an und will demnächst ein Ladengeschäft eröffnen.

 

 

 

 

 

Die Oma lockte nach Amerika

 

Eigentlich wollte Nadine Globig, die aus Berlin stammt, nach dem Abitur Medizin studieren. Chirurgin war ihr Traumberuf. Eine Erkrankung machte ihr einen Strich durch die Rechnung – und die Oma im fernen Amerika lockte mit der Frage: „Kennst du eigentlich die amerikanischen Torten?“ Nadine kannte sie nicht und flog über den großen Teich um sich die klassischen Bäckereien im Land der unbegrenzten Möglichkeiten anzuschauen. Schnell fand sie eines heraus: „Die Torten dort sind nicht wirklich lecker, sondern einfach zu süß. Darum setze ich bei den Füllungen beispielsweise mehr auf eine Creme aus Frischkäse.“

 

Die Amerikaner lieben Motivtorten etwa zur Hochzeit, zur Taufe oder auch zum Schulanfang, und sie sind Weltmeister im üppigen Dekorieren. So wird dort „sugarcraft“ gepriesen – die Kunst, in allen möglichen Formen und Farben Figürliches zu gestalten. Ein Trend, der längst auch in Deutschland angekommen ist. Zuckrige Spitzenmuster werden auf Torten appliziert, Schmetterlinge, Rosenblüten, Feuerwehrautos, alles ist essbar.

 

 

 

Und die macht auch Nadine Globig. Für ihre kleinen Kunstwerke braucht die 30-jährige Mahlowerin einen Klumpen Zucker, Fantasie und Handwerkszeug, das wie chirurgisches Besteck anmutet. „Ich liebe Rosa und Glitzer seit ich denken kann, so richtigen Mädchenkram eben“, gesteht sie. Und so wundert es nicht, dass auch die Wände ihrer Werkstatt in Rosa getaucht sind. In der Heimstättenstraße 8, nahe des Mahlower Bahnhofs, hat sie eine Baracke der Deutschen Bahn gemietet und ist dabei sie mit Hilfe ihrer Familie und ihrem Verlobten Clemens Strecker weiter auszubauen. „Aber auch Handwerker wie Elektriker, Maler, Maurer, einfach viele Menschen haben mir geholfen, als sie meine Geschichte gelesen haben.“

 

Die Geschichte der Nadine Globig stand vor zwei Jahren in einer deutschen Frauenzeitschrift. Sie hatte dort an einem Wettbewerb um das schönste Tortenmotiv teilgenommen und auf Anhieb den 1. Platz belegt. Eingereicht hatte sie das Bild der Torte, die sie für die Babyparty ihrer Schwester kreiert hatte. Die Torte hat sie vor der Preisverleihung im Hamburger Verlagshaus nachgebacken.

 

Für ihre „Twinkling Bakery“ arbeitet die Hobby-Cake-Designerin mit einem Konditor zusammen, der die Grundtorten fertigt, die dann von ihr dekoriert werden. Farben, Fondant, essbare Spitzen, und auch die benötigten Werkzeuge bestellt sie bei den Marktführern der Branche in Amerika, in England und den Niederlanden.

 

Info: Am 4. Juni will Nadine Globig ihr Geschäft eröffnen.

 

Von Gudrun Ott